Fachprofil


Politische Bildung ist normativ!

Der freiheitliche Staat kann die Grundlagen seiner Existenz von Staats wegen dauerhaft nicht besorgen. Er ist auf die ständige Akzeptanz seiner Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Deshalb gilt: Die Demokratie braucht Demokraten. Niemand wird jedoch als Demokrat geboren. Die Entwicklung von Demokratiebewusstsein ist das stets zu erneuernde Resultat eines unabschließbaren Bildungsprozesses. Erst durch die Politische Bildung können die Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie geschaffen werden. Die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung buchstabiert ihr Namenskürzel DVPB deshalb mit "DEMOKRATIE VERLANGT POLITISCHE BILDUNG“ aus.

Das Leitbild in der Politischen Bildung

Die Orientierung am Leitbild des demokratiekompetenten Bürgers verlangt die Förderung fachlicher Kenntnisse über  Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Sie verlangt die Förderung politischer Handlungsfähigkeit und die Entwicklung einer demokratischen Werthaltung, mithin also Kompetenzen, wie sie bereits in Artikel 131 Abs. 1 und 3 der Bayerischen Verfassung von 1946 verankert sind.

Politische Bildung in Nürnberg

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ist als Bildungsträger mit zwei Fakultäten in einer Stadt beheimatet, die sich mit Erfolg bemüht, ihre Geschichte als Stadt der Reichsparteitage mit der Entwicklung zur Stadt der Menschenrechte aufzuarbeiten. Versuche von Rechtsextremisten immer wieder die nationalsozialistische Vergangenheit Frankens in der Umgebung Nürnbergs propagandistisch zu nutzen, geben einen Hinweis auf die Bedeutsamkeit des Beitrags der Politischen Bildung zu dieser historisch-politischen Bewältigungsaufgabe. Ein Schwerpunkt von Forschung und Lehre  liegt im Fach Didaktik der Sozialkunde daher auf dem Gebiet des Demokratielernens als Immunisierungsstrategie gegen extremistische Propaganda. Dabei geht es nicht um das Erlernen von erfolgreichen Argumentationsstrategien gegen rechte Stammtischparolen, sondern es geht vielmehr um Begründungs- und Legitimationsfragen in Bezug auf Geltungsansprüche, die in der politischen Meinungskonkurrenz formuliert werden. Aus diesem Grund sind auch die  mittlerweile hypertrophierte empirische Fachunterrichtsforschung und methodenorientierte Politikdidaktiken an den Ort ihrer Berechtigung zurückzuverweisen, nämlich nützliches Instrumentarium für die Sinnerfahrungen ermöglichende Begegnung mit den Begründungsfragen der Politischen Bildung zu sein. Politische Bildung muss daher wieder philosophischer werden! Dieser Forderung wird inhaltlich durch eine neue Grundlegung der Politischen Bildung im Pragmatismus (Beachten Sie den Literaturhinweis auf der "Startseite" der HP!) und organisatorisch durch die in jedem Sommersemester angebotene und für die Erwachsenenbildung und Lehrerfortbildung offene Vorlesung „Wertorientierte Politische Bildung“ Rechnung getragen.